Auszug aus dem Buch ›In seinem Schatten‹:

Er lacht, jagt das Motorrad auf die Straße, rast bis zur nächsten Ecke, wendet und kommt mir entgegen. Ich drehe mich um und gehe denselben Weg zurück. Ich höre, wie er den Motor hochzieht. Er fährt an mir vorbei, dann auf den Bürgersteig, sodass er mir wieder von vorne begegnet. »Du hier? So ein Zufall!«
»Verpiss dich, Jason.«
»So gefällst du mir, Kleine!« Er zwinkert mir zu. »Mach mich richtig scharf.«
Ich versuche ihn anzuspucken, aber es kommt nichts raus. Mein Mund ist zu trocken.
»Das würde ich nicht noch mal tun.«
»Ach ja? Willst du mich auf der Straße verprügeln? Na los. Es wird Zeugen geben. Bestimmt steht jetzt schon jemand am Fenster und beobachtet uns.«
»Es wird nicht immer Zeugen geben.«
»Was soll denn das heißen?«
Seine Augen sehen aus wie tot. »Ich liebe dich, Leslie«, sagt er. Und gleichzeitig jagt er den Motor hoch. Bevor ich einen Ton herausbringen kann, rast er auf mich zu. In letzter Sekunde schwenkt er auf die Straße und fährt davon.
Sobald ich zu Hause bin, rufe ich Katie an. Ich höre, wie sie schluckt. »Wahrscheinlich spielt der nur mit dir. Der wird bald genug haben und sich wen anders suchen.«
»Oder mir was tun.«
»Sag nicht so was. Das macht mir Angst.«
»Du hast nicht gesehen, wie der geguckt hat. So von ganz weit weg. Okay, vielleicht war das vorhin ein Spiel. Aber was ist, wenn ihm klar wird, dass er verloren hat? Jason verliert nicht. Niemals.«
»Du machst dich bloß verrückt. Kann sein, er ist brutal und alles, aber er hat ja schließlich niemanden umgebracht oder so.«
Noch nicht.
Das will ich sagen, aber ich bringe es nicht fertig. Stattdessen murmele ich: »Klar, du hast recht.«
Schweigen. Dann sagt Katie: »Du bist nicht allein, Leslie.«
»Ich weiß.«
»Ich hab dich lieb.«
»Ich dich auch.«