
© Jan Roeder
Leser
Jessica, 13, und Sadberk, 14, haben ›Anas Geschichte‹ gelesen. Was sie darüber denken, erfahrt ihr hier: in einem Gespräch über ein Buch, das unter die Haut geht.Wie hat euch ›Anas Geschichte‹ gefallen? Wenn man überhaupt von ‚gefallen’ sprechen kann ...
Sadberk: Teilweise war es schlimm, was Ana erzählt, teilweise ganz schlimm: der Tod der Eltern, die Vergewaltigung, und wie sie in dieses Heim muss, das fast wie ein Gefängnis ist. Aber man kann sich sehr gut in alles einfühlen. Das Buch war nie langweilig! Ich wollte immer wissen, wie es weitergeht, und habe es ganz schnell gelesen.Jessica: Nicht jeder schreibt ein Buch über ein Mädchen, das AIDS hat. Und vor allem würde sich nicht jeder so äußern! Ana erzählt ihre ganze Lebensgeschichte. Mit allem, was war. Sie hält überhaupt nichts zurück. Am Anfang dachte ich, dass die Geschichte erfunden ist. Dass alles tatsächlich so stattgefunden hat, ist mir erst später klar geworden.
Sadberk: Zu wissen, dass alles echt ist, hat es fast noch trauriger und noch schlimmer gemacht.
Jessica: Aber auch interessanter! Dass es Menschen auf der anderen Seite der Erdkugel gibt, die wirklich so leben, die von AIDS so betroffen sind.
Sadberk: Ich wusste, dass es AIDS gibt, aber ich wusste nicht, dass so viele Kinder ihre Eltern verloren haben, weil die an AIDS gestorben sind.
Jessica: Oder dass es eigene Heime für AIDS-Kranke gibt. Jetzt weiß ich viel mehr von dieser Krankheit.
Wie sehr betrifft euch das Thema AIDS?
Sadberk: Eigentlich hat es nicht wirklich was mit uns und unserem Leben zu tun. Aber nach dem Buch ist es natürlich schon in meinem Kopf drin.Jessica: Mir geht es gar nicht mehr aus dem Kopf raus!
Sadberk: Mich hat die Geschichte aber auch so sehr beeindruckt: Ana ist so stark! Sogar, als sie zwischendurch wirklich niemanden mehr hat.
Jessica: Ana gibt nie auf! Da kann man sich etwas von abschauen: Man sieht, dass es woanders noch viel, viel schlimmer ist.
Würdet ihr das Buch anderen Jugendlichen weiterempfehlen?
Jessica: Auf jeden Fall! Es ist ein Buch, über das man sprechen kann und soll. Aber ich würde es nicht jedem empfehlen. Es gibt sicher Jugendliche, die darüber lachen. Oder denen es egal ist. Die nicht nachdenken und vor nichts Respekt haben.Jenna Bush ist die Tochter eines der mächtigsten Männer der Welt – jetzt hat sie ›Anas Geschichte‹ aufgeschrieben. Wie wichtig ist die Autorin? Ihr berühmter Name?
Jessica: Für mich war das total unwichtig! Mich hat das Thema interessiert und nicht, wer das Buch geschrieben hat. Das hätte schließlich jeder schreiben können!Sadberk: Ich hätte nicht gedacht, dass Jenna Bush, die Tochter des Präsidenten, so ein Buch überhaupt schreiben kann. Sie erwähnt sich selbst gar nicht.
Jessica: Das stimmt! Sie stellt sich nicht in den Mittelpunkt. Das fand ich toll.
Und die Fotos?
Sadberk: Die machen neugierig und zeigen noch mehr von dem Land, von Anas Geschichte. Dieses Bild aus dem Heim zum Beispiel, mit den harten Betten, eins neben dem anderen – da kommt schon viel rüber von dem, was Ana mitgemacht hat.Jessica: Manchmal sind die Bilder ein bisschen kitschig. Aber andererseits machen die bunten Fotos Hoffnung.
Das Buch heißt ja auch: ›Anas Geschichte – Ein Stück Hoffnung‹. Stimmt das denn?
Sadberk: Natürlich wüsste ich sehr gern, wie es mit Ana weitergeht. Aber obwohl das Buch mittendrin aufhört, finde ich, dass es eine hoffnungsvolle Geschichte ist. Ana kämpft ja! Sie bekommt ein Kind – da muss man schon sehr reif sein!Jessica: Und Ana sagt: „Wir sterben nicht an AIDS, wir leben damit.“ Das ist doch Hoffnung.

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| Jessica, 13, besucht die 7. Klasse einer Realschule in München und singt in einem Kirchenchor. Ihr Lieblingsbuch: ›Die Prinzessinnen von New York‹ von Anna Godbersen. | Sadberk, 14, geht in dieselbe Schule, ebenfalls 7. Klasse. Ihr Lieblingsbuch ist ›Der kleine Prinz‹ von Antoine de Saint-Exupéry. |
© Interview: Christine Knödler

